FOX Zweiradtechnik
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Storck wiederholt leichtestes Rahmenset der Welt
Rekorde sind nicht nur im Leistungssport das Salz in der Suppe - auch in der Rennradtechnik ist der Reiz der Bestleistung ungebrochen. Der leichteste, der steifste, der komfortabelste Rennradrahmen... All diesen Aspekten sind wir in unserem aktuellen TopRahmentest natürlich nachgegangen. Doch noch interessanter sind eigentlich andere Erkenntnisse dieses Tests, die auch mit den neuen Anforderungen zu tun haben, die wir an die Adresse der Hersteller formuliert haben.
Betrachtet man die Lenkkopfsteifigkeit als Maß der Fahrsicherheit eines Rahmens, erkennt man, dass der Carbonrahmenbau auch in der Breite inzwischen ein erfreulich hohes Niveau erreicht hat. Das zeigt sich unter anderem daran, dass nur vier der 24 Rahmen - die Modelle von Giant, Il Diavolo, Look und Wilier - mit STW - Werten unter 70 technisch schlechter sind als die besten Aluminiumrahmen. Nur ein einziger, Il Diavolos Victrix, bleibt mit einer Lenkkopfsteifigkeit von 65 Newtonmetern pro Grad deutlich unter dem Wert von 80 Newtonmetern pro Grad, den wir auf der Grundlage unserer Praxiserfahrungen und Labortests als Grenze für eine unkritische Fahrstabilität ansehen. Der Victrix erreicht damit ein Niveau, wie es einst für klassische Stahlrahmen aus Columbus-SLX-Rohr typisch war. Damit gehen die Zeiten langsam zu Ende, in denen preiswerte Carbonrahmen öfter mal mit geringer Fahrstabilität überraschten. Schon für weniger als 1.000 Euro bieten Discounter wie H&S (Radon) und Fat-Cycles qualitativ gute Carbonrahmen; gute und dabei noch halbwegs bezahlbare Modelle gibt es außerdem bei Cube, Red Bull, Merida und Schmolke. Nun könnte man einwenden, dass es relativ leicht ist, für den Test in TOUR einen einzelnen guten Carbonrahmen zu bauen, ob die Rahmen in der Serie aber genauso gut sind, ist eine andere Frage. Der Hinweis sticht, zielt er doch auf zwei Probleme. Zum einen sind bei Carbonrahmen, die aus einem konstruktiv anspruchsvollen Werkstoff hergestellt werden, gewisse Fertigungstoleranzen unvermeidlich. Die Rahmen entstehen überwiegend in Handarbeit, und es kommt entscheidend darauf an, dass der jeweilige Arbeiter den Belegeplan für die exakte Ausrichtung der Carbonfasern genau einhält. Die Frage ist, ob die Toleranzen so eng sind, dass am Ende vergleichbar gute Rahmen dabei herauskommen. Das zweite Problem: Theoretisch wäre es jedem Hersteller möglich, spezielle Einzelanfertigungen oder Prototypen in den Test zu schicken, deren technische Werte deutlich besser sind als bei den Serienrahmen. Um einen Überblick über Fertigungsschwankungen beziehungsweise möglichst gleichbleibende Qualität zu bekommen, haben wir die Teilnahmebedingungen für diesen Test verschärft und erstmals drei identische Rahmen von jedem Anbieter angefordert. In einer Eingangskontrolle wurden bei allen drei Rahmen Gewicht und Lenkkopfsteifigkeit ermittelt und danach die STW-Werte berechnet. Diejenigen Rahmen mit dem mittleren STW - Wert kamen schließlich in den Test.
Geringe Schwankungen
Erfreuliches Ergebnis dieser bislang einmaligen Qualitätskontrolle: Die meisten Anbieter haben ihre Fertigung offenbar im Griff. Nennenswerte Abweichungen zwischen den drei Testrahmen notierten wir nur bei zwei Firmen: Cannondale und Canyon. Brisant bei Cannondale ist dabei nicht nur die Streuung zwischen den drei Testrahmen (78, 81 bzw. 85 Newtonmeter pro Grad im Lenkkopf); alle drei bleiben zudem deutlich unter jenen 96 Newtonmetern pro Grad des "SuperSix"-Rahmens, der in TOUR 10/07 getestet wurde.
Erstaunen rief auch das Abschneiden von Canyon hervor. Unterm Strich steht der komplett neu entwickelte "F10 Ultimate CF"-Rahmen mit der Gesamtnote 2,1 zwar gut da. Seine Steifigkeitswerte liegen jedoch weit unter dem, was die Koblenzer bei der Premiere des Rahmens auf der vergangenen Eurobike angekündigt hatten. Auch fällt die Streuung zwischen den gelieferten Rahmen (74, 79 bzw. 82 Newtonmeter pro Grad im Lenkkopf) unerwartet groß aus. Kurz vor Erscheinen dieses Tests erreichte uns dazu eine Mitteilung von Canyon, dass man bei internen Kontrollen selbst auf die Produktionsschwankungen aufmerksam geworden war. Als Grund wurden Probleme beim Serienanlauf des neuen Rahmens genannt. Ach ja: die Rekorde. Rennradrahmen, die weniger als 900 Gramm wiegen, Gabeln leichter als 300 Gramm seit die Wunderfaser Carbon ihren Siegeszug in der Rennradwelt angetreten hat, fragt man sich, wohin die Entmaterialisierung des Fahrradrahmens noch führen kann. Auch nach diesem Test gibt es einen neuen Rekord zu vermelden: 816 Gramm wiegt der leichteste je von TOUR getestete Rahmen, montagefertig in Rahmengröße 57, inklusive Sattelklemmung: Damit darf sich der Addict SL von Scott bis auf Weiteres mit dem Titel leichtester Serienrahmen der Welt schmücken. Damit untermauern die Schweizer mit Nachdruck, dass sie in Sachen Leichtbau weiter die ummer eins sind. Eine weitere gute Nachricht für alle, die ihr Rad mit der Feinwaage aufbauen: Der exklusive Club der Anbieter von Rahmen, die weniger als 900 Gramm wiegen und dem bisher nur Scott und Storck angehörten, hat Zuwachs bekommen. Neu dabei sind die Kanadier von Cervelo, deren R3 SL den Vorjahressieger Fascenario 0.7 von Storck als das Rahmen-Set mit der besten Gesamtnote ablöst. Wie eng der Kampf um die Spitze war, zeigt der Blick auf die Gewichte. Wäre der Fascenario 0.7-Rahmen so leicht gewesen wie im Vorjahr (1.194 Gramm), hätte er sich den Platz auf dem Siegertreppchen mit dem R3 SL geteilt. Da er aber geringfügig zugelegt hat, rutscht er auf Rang zwei ab. Allzu sehr grämen muss man sich bei Storck in Bad Camberg deshalb aber nicht. Immerhin bleibt das Fascenario 0.7-Set - bestehend aus Rahmen und Gabel - das leichteste auf dem Markt. Fazit
Bessere Qualität in der Breite, neue Bestleistungen an der Spitze - der Werkstoff Carbon prägt den Rennradrahmenbau immer stärker. Die Beispiele Cannondale und Canyon zeigen aber auch exemplarisch: Carbon bleibt ein heikles Material, der Umgang damit eine fortwährende Herausforderung für die Entwickler und vor allem für die Fertigung. Fakt bleibt: Einem Carbonrahmen sieht man von außen nicht an, was in ihm steckt. Das findet man nur heraus, indem man damit fährt oder ihn aufwendigen Messungen unterzieht. Das haben wir gemacht. Auf den folgenden Seiten finden Sie alle Zahlen, Daten und Fakten detailliert ausgebreitet.
Das 1-Kilo Set ist in Sicht
Jahr für Jahr ein paar Gramm weniger: Geht die Entwicklung im Rahmenbau weiter wie zuletzt, reden wir 2012 vom 700-GrammRahmen. Kombiniert mit einer 260-Gramm-Gabel und einem superleichten KeramikSteuerlager, bei des schon jetzt machbar, wöge ein Rahmen-Set dann nur ein Kilo. Heute, Stand Frühjahr 2008, gelten für Leichtbau-Fans aber noch andere Limits. Mit 1.203 Gramm inklusive Gabel und Lenklager geht der Titel. Leichtestes Rahmen-Set der Welt zum zweiten Mal in Folge an Storcks Fascenario 0.7 - obwohl er gegenüber 2007 sogar um 37 Gramm zugelegt hat; dafür ist seine Gabel nun 22 Gramm leichter. Einen neuen Bestwert können wir dafür bei den nackten Rahmen melden. 816 Gramm, bereinigt auf Rahmengröße 57, wiegt der leichteste Rahmen im Test, Scotts Addict SL - Weltrekord für einen Serienrahmen. Um den im Vorjahr 32 Gramm schwereren Rahmen weiter abzumagern, wurde sogar das Aluminium-Inlay im Tretlager eingespart; stattdessen werden spezielle Kugellager direkt ins Gehäuse eingelegt. Dass sich der Rahmen nur mit Shimano-Kurbeln kombinieren lässt, dürfte Gramm-Fuchsern allerdings aufstoßen; die gelten in der Leichtbau-Szene nämlich als schwer. Zum Glück für alle Tuning-Freunde gibt es den Addict-Rahmen aber auch mit normalem Tretlagergehäuse. Kombiniert mit einer 333 Gramm leichten Gabel kommt das Rahmen-Set des Addict SL auf 1.237 Gramm - Rang zwei in dieser Disziplin. Hätte Scott wie einige andere Anbieter die superleichte Scapula-SP -Gabel von THM montiert, wäre sogar der Sieg in dieser Kategorie drin gewesen. Allerdings hätte der Rahmen dann seine harmonische Linie verloren, die er auch der speziell auf den Rahmen abgestimmten Gabel verdankt. Cervelo, die Nummer drei in beiden Leichtbauwertungen (leichtestes Rahmen-Set, leichtester Rahmen), holt sich den Platz auf dem Treppchen mit einer Scapula-Gabel von THM. 1.289 Gramm stehen für das Set aus Rahmen, Gabel und Lenklager zu Buche. Auch hier wären noch einige Gramm drin gewesen, hätten die Kanadier statt der mit 378 Gramm nicht spektakulär leichten Normalversion der Scapula die SP montiert. Dass sie es nicht taten, begründet Peter Seyberth vom deutschen Cervelo-Vertrieb TRI-Dynamic mit höheren Sicherheitsreserven der schwereren Scapula. Ein guter Hinweis, wie wir finden: Wer Rahmen und Gabeln in dieser Gewichtsklasse fährt, muss sich darüber im Klaren sein, dass jedes kleine Missgeschick das Ende der Liebesbeziehung bedeuten könnte.
Intelligente Konstruktion - der STW Wert
Es ist nicht übertrieben, wenn man sagt. dass der von TOUR erstmals 1995 postulierte STW-Wert die Rennradwelt revolutioniert hat. Der STW-Wert setzt den für die Fahrstabilität wichtigsten Wert, die Lenkkopfsteifigkeit (Newton-Meter pro Grad, Nm/O), in Bezug zum Gewicht (Kilogramm, kg). Damit ist er ein Maß für die konstruktive Intelligenz eines Rahmens. Was oft missverstanden wird: Der STW- Wert als solcher sagt nichts darüber aus, wie steif oder leicht ein Rahmen ist. Deshalb war er auch nie Grundlage einer Bewertung. Ein Rahmen mit hohem STW-Wert muss nicht zwangsläufig extrem steif sein und kann relativ schwer ausfallen. Entscheidend ist nur, in welchem Verhältnis die bei den Größen stehen, aus denen der Wert errechnet wird. Im Rückblick lässt sich anhand des STW-Werts sehr gut die Weiterentwicklung der Rahmentechnik nachvollziehen. Mitte der 1990er Jahre kam der damals beste Aluminium-Rahmen, Kleins legendärer Quantum Pro, auf einen STW-Wert von 75 Nm/o/kg - seinerzeit ein sen sationeller Wert. Viel besser war auch der beste Alu-Rahmen nicht, den wir in unserer mittlerweile 1.400 Rahmen umfassenden Datenbank haben. Der Team Issue von Scott markierte 2001 mit 82 Nm/o/kg zugleich den Höhe- und Endpunkt der Entwicklung im Bau von Aluminium-Rahmen. Etwa zur gleichen Zeit begann nämlich der Carbon-Boom im Rennradbau, und schnell wurde klar, dass kein Metall mit der schwarzen Wunderfaser mithalten kann, wenn es darum geht, geringes Gewicht und hohe Steifigkeit in Einklang zu bringen. Was mit Carbon inzwischen möglich ist, zeigen die drei bestplatzierten Rahmen dieses Tests im STW-Ranking, Storck, Scott und Cervelo. Alle drei kommen auf vor kurzem noch für unmöglich gehaltene 114 Nm/o/kg. Erfreulich ist auch, dass das Gros der Hersteller inzwischen STW-Werte über 80 Nm/o/kg erzielt. Ab dieser Schwelle lässt sich der Einsatz von Carbon im Rahmenbau auch technisch begründen - denn besser waren auch die besten Aluminiumrahmen nicht. Wenn ein Carbonrahmen einen schlechteren STW-Wert als die besten Alu-Rahmen hat, ist das angesichts des technischen Potenzials des Werkstoffs allerdings enttäuschend.
Komfort - Rennradrahmen lernen federn
Wo fingerdicke Reifen auf acht bar aufgepumpt werden und Sättel selbst bei harten Schlägen nur wenige Millimeter nachgeben, ist Fahrkomfort etwas sehr Relatives. Von Federwegen etwa, die moderne Mountainbikes zu wahren Sänften machen, trennen das Rennrad Lichtjahre. Dennoch gibt es auch bei Rennrädern messund spürbare Komfortunterschiede. Sie sind in den vergangenen jahren sogar deutlich größer geworden. Immer mehr Hersteller nutzen die freie Formbarkeit des Werkstoffs Carbon, um ihre Modelle zumindest etwas komfortabler abzustimmen. Wohin das führen kann, zeigte vor einigen jahren der kanadische Anbieter Cervelo mit dem R3, dem Vorgänger des aktuellen R3 SL, der mit bleistiftdünnen Sitzstreben einen beachtlichen Federweg am Sattel erzielt. In Cannondale und Canyon fand dieses Design mittlerweile erste Nachahmer. Einen anderen Weg geht der französische Hersteller Look, dessen 595 Ultra in diesem Test den besten Komfortwert am Sattel erzielt. Eine speziell für den Rahmen entwickelte, auf Elastomeren ruhende Sattelstütze entkoppelt den Fahrer vom Rahmen und soll Stöße dämpfen. Ob das auf der Prüfbank vielversprechende Konzept auch in der Praxis überzeugt, testen wir in einer der nächsten Ausgaben.
Ein vergleichsweise hoher Federkomfort lässt sich allerdings auch mit deutlich einfacheren Mitteln erzielen: Wer die Messwerte vergleicht, stellt fest, dass Rahmen mit schlanken Sattelstützen im Durchmesser 27,2 Millimeter beim Komfort meist besser abschneiden als Modelle mit dicken Stützen (31,6 Millimeter oder mehr). Es ist deshalb nur folgerichtig, wenn das Pendel nach einigen jahren, in denen Oversized-Stützen im Trend lagen, nun wieder zurückschlägt. Vorreiter sind hier Canyon und Cervelo, die bei ihren neuen Modellen wieder auf das traditionelle Stützenmaß 27,2 Millimeter zurückgehen. Was beim Blick in die Tabelle noch auffällt: Bei mehreren Kandidaten geht hoher Federweg am Sattel einher mit einer bockharten Gabel - nicht gerade konsequent im Sinne einer möglichst komfortablen Abstimmung des Rahmen-Sets. Wie es besser geht, zeigt Giant. Dank ausgeprägter SiopingGeometrie mit nach hinten abfallendem Oberrohr und weit ausgezogener, 27,2 Millimeter schlanker Sattelstütze hat das TCR Advanced einen der besten Komfortwerte am Sattel. Zugleich verbauen die Taiwaner eine Gabel, die in Sprungrichtung ordentlich federt und in seitlicher Richtung nicht so nachgiebig ist, dass die Fahrstabilität leidet. Die kombinierte Komfortwertung aus Rahmen und Sattel geht deshalb mit deutlichem Vorsprung an Giant, auch wenn der TCR Advanced beim STW-Wert nicht ganz auf der Höhe der Zeit ist. |
Tour März 2008 |
Rahmenset Storck Fascenario 07
Eilanfrage
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13.03.2008
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