Seit dem obligaten Bike-Weekend-Schluss beim Abendessen im Heidiland
gehört auch das 4. Bike-Weekend der Vergangenheit an. Wir blicken auf
ein gelungenes aber strenges Wochenende in Schiers zurück.
Verluste mussten wir zum Glück nicht viele verzeichnen, obwohl der erste
Fladen schon vor dem eigentlichen Beginn an meinem Koba aufgetreten war.
Die kurze Strecke von meiner Wohnung zum Bankomaten und dann zum
Gemeindehaus, wo Raphi und Willi auf mich warteten, wollte mein
Hinterschlauch nicht zu Ende fahren und gab mir dies mit einem grossen
Loch und einem lauten Zischen zu verstehen. Nichts desto trotz düsten
wir sofort los und trafen die restlichen Teilnehmer (das ist kein
Übersehen der weiblichen Form, denn es waren leider tatsächlich keine
Teilnehmerinnen dabei) mit ein bisschen Verspätung im Heidiland. Zu den
Teilnehmern gehörten neben den schon Erwähnten Andy, Ruedi und Armin.
Mit Marc, unserem lokalen Guide, hatten wir eine angenehme Gruppengrösse
mit der magischen Zahl sieben.
Voll motiviert und mit den nötigen Kraftreserven starteten wir unsere
erste Tour Richtung Furna. Wer uns den Krampf nachfühlen will, soll den
Ort, der so lieblich tönt, einmal auf einer Karte mit Höhenkurven
suchen. Es war kein Sonntagnachmittagsfährtli dort hinauf, sondern
kostete die meisten schon recht viel Schweiss, ein Bidon
Maxim-Super-Getränk und sehr viel Muskelkraft. Wer am Weekend vor zwei
Jahren schon dabei war, hat die Strecke nun auch einmal mit Sicht fahren
können und gesehen, dass uns Marc nach Furna zur Alp Sattel durch
prächtige Landschaften führte. Natürlich hatte Willi seine Digicam mit
dabei und so durften wir auch hier wieder seinen Instruktionen folgen
und in die Kamera lächeln. Nach einer super Abfahrt durch Heide und
schöne Alpwiesen konnten wir uns auf die superfeinen Totenbeinli in der
Fadära freuen. Die Strecke war jetzt schon ein Erfolg und die idyllische
Alp bei herlichem Wetter ideal für einen Rast. Beim Mittagessen
diskutierte Marc mit einem anderen Lokalen den weiteren Verlauf unseres
Trips: "Sollten wir die sieben Kehren nehmen oder die Strecke, wo es
links teilweise dreissig Meter praktisch senkrecht abfällt?" Er
entschied sich für die zweite Variante, was Armin auch fast zum
Verhängnis wurde. So kurvten wir also von Danusa auf super Singletrails
nach Furna, Teufried, Pendla und mit einer actionreichen Abfahrt durch
das Tobel nach Lunden. Die Abfahrt war einsame Spitze und wäre von uns
Unterländern unmöglich zu finden gewesen. Auch in diesem Jahr liessen
die spektakulären aber harmlosen Stürze nicht lange auf sich warten und
zum Glück hatten wir ausser einem "Schlangenbiss" an Raphis
Hinterschlauch keine Pannen. Unten angekommen stand allen das Adrenalin
so hoch, dass wir unbegingt noch mehr wollten. Marc wusste auch noch
einen letzten Singletrail, der nach Schiers führt. Wir müssten nur ein
paar Meter uphill fahren, um an den Trail zu gelangen. An diesem Tag, zu
dieser Stunde, mussten wir aber bitter erfahren, dass ein Bündner nicht
das Gleiche unter ein paar Höhenmetern versteht, wie wir das tun. Völlig
geschliessen kamen wir oben an und kämpften uns dann auf diesem letzten
Trail nach Schiers. Wir sind vor Hindernissen abgestiegen, die wir an
einem anderen Tag mit Vergnügen überfahren hätten und Ruedi kostete es
sogar seinen Wechsler, der kurzerhand abgebrochen ist. Für ihn und
Willi, der ihn begleitete, war die Fahrt in der Hälfte des letzten
Trails, kurz vor Schiers, zu Ende. Das Glück war auch da auf unserer
Seite und so wusste Marc, dass in einer Wohnung über unserem Hotel ein
Velomech mit eigener Werkstatt wohnt, welcher kurzerhand Ruedis Bike in
sein Auto verladen und es wenig später repariert in den Hotelkeller
gestellt hatte.
Frisch geduscht aber noch nicht fit, wurde uns wenig später von unserer
sympathischen, österreichischen, radlerfüdli-verehrenden Servierdüse der
Spaghettiplausch serviert. Mit einem feinen Shyraz genossen wir die
sichtlich verdienten Kohlenhydrate mit den feinen und unkonventionellen
Saucen. Der Abend blieb extrem ruhig, trotz Gewitter, Wein,
Österreicherin und Feststimmung im Saal.
Noch ein bisschen beunruhigt schauten wir am Morgen aus dem Fenster und
betrachteten die dunklen Wolken am Himmel. Nachdem wir dann aber
ausgiebig gefrühstückt hatten, hatten die sich schon verzogen. Pünktlich
um halb zehn war Marc wieder zu uns gestossen und wir erklommen die
andere Talseite. Wir merkten bald, dass wir nicht weniger Höhenmeter
machen würden als am Vortag. So kämpften wir uns über Lunden, Buchen,
Nuois nach Tratza, meistens der Bikemaster-Strecke entlang. Unsere schon
wieder müden Beine wurden aber oben schnell wieder geweckt, denn es
folgte ein super Singletrail nach Pany. Was hier begonnen hatte, ging so
den ganzen Tag weiter: Up- und Downhill und vor allem Fun, Fun und
nochmals Fun. Vor lauter Begeisterung beim Befahren der sorgfältig
ausgewählten Trails mussten wir uns konzentrieren, damit wir nicht zu
überstellig wurden und irgendwelche Hänge abrutschten. Mit dem nötigen
Respekt zum Berg und dem mahnenden "Absteigen ist keine Schande" von
Willi brachten wir auch diesen Tag ohne groben Unfall über die Bühne.
Wie schon vermutet, waren wir aber noch lange nicht auf dem höchsten
Punkt unserer Sonntags-Tour angekommen. Der befindet sich nämlich auf
Rund 1882 Meter über Meer und nennt sich Alp Valpun. Wir fuhren einer
riesigen deutschen Flagge entgegen und es sah aus, als würden wir soeben
die Grenze zu unserem nördlichen Nachbarn überqueren. Kurz darauf, als
wir die herrliche Aussicht genossen und unsere Flaschen an einem
gigantischen Brunnen mit tröpfelndem Hahn füllten, begrüsste uns dann
auch der Besitzer der Fahne mit einem Hallo. Das schöne am Wissen, den
höchsten Punkt der Tour erreicht zu haben, ist, dass man den Downhill
viel besser geniessen kann - was wir auch taten. Einzig durch ein
nächstes Fotoshooting und das Rücksichtnehmen auf die Wanderer, die am
Sonntag vermehrt unterwegs waren, wurde die herrliche Abfahrt
unterbrochen. Eine extrem steile und mit hohen Stufen versehene Wiese
hinunter, vorbei an dem wunderschönen Stelsersee rollten wir zu der wohl
witzigsten Alp oder besser gesagt dem originellsten Bewohner dieser Alp
- das Haus zum See. Mit einem "Willkommen auf der Alp" begrüsst uns der
stolze Urgrossvater und Herr des Hauses und erklärte uns auch gleich auf
seine strenge und bestimmte Art, wie wir uns zu verhalten
haben: hereinkommen, aussuchen, bezahlen, hinausgehen, leer trinken,
Geschirr sortieren und abräumen. Alles klar! Die Preise erfindet er
jedes Mal neu, so hat auch jedes Getränk seinen eigenen Wert. Wir kamen
bald alle zu unseren Getränken und auf das Mittagessen verzichteten wir
wohlweislich. Im Gegensatz zu der Wandergruppe, die nach uns gekommen
war, hatten wir unseren Spass mit dem Typen. Knurrenden Bauches machten
wir uns auf den Weg zum nahegelegenen Berghaus Mottis, einem grossen
Restaurant mit Wespenplage. Dort haben wir von Salsiz über Salat zu
Stracciatella-Coupe mit Rahm alles bekommen, was unser Magen begehrte
und stärkten uns für den bevorstehenden Downhill. Von da an folgten nur
noch Singletrails, enge Kehren und Wiesen bis nach Schiers hinunter,
sodass unsere Bikerherzen jauchzten. Speziell zu erwähnen sind die
coolen Holzbrücken nach Buchen, die man besser nicht verfehlt, weil man
sonst ein Bad im Sumpf nimmt. Die Fahrt auf dem mit Draht überzogenen
Holz fühlte sich an, als hätte man einen platten Reifen und die Bretter
nach den Stufen gaben schon so stark nach, dass ich mich jeweils
umhörte, ob die Bretter bei den hinteren Fahrern noch hielten.
Schliesslich hätte ich mir den Mountainbiker-im-Sumpf-Anblick nicht
entgehen lassen wollen. Zum Schluss mussten wir uns entscheiden, ob wir
den Singletrail von Lunden nach Schiers nochmals machen wollten. Diesmal
kamen wir von oben und so entschlossen wir uns, nochmals den Trail zu
fahren, was genial war. Wir meisterten die Hindernisse ohne grosse
Probleme. Ausser ein paar Stürzen, Raphi, der den Weg verfehlte und
Ruedis Fluchen, dass dies bestimmt nicht sein Lieblingshill sei,
passierte nichts Spektakuläres.
Zurück im Hotel konnten wir noch einmal duschen, das Ende der
Zürimetzgete schauen und ein letztes Shorley trinken. Erfreuliche
Bilanz: zwei kaputte Schläuche, ein abgebrochener Kettenwechsler, ein
paar kleine Schrammen an Armen und Beinen, ein Speicherchip voller
Bikerfotos, müde Beine (die einen erst jetzt und die anderen immer noch
vom 24-Stunden-Rennen), tolle Erfahrungen und die Vorfreude auf ein
nächstes Bikeweekend.