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Pro Cycling Test - Leichtes Jubiläum von Storck Scenario Carbon CD1.0

Zwischen Tour de France und Deutschland-Tour hat Marcel Wüst meist nur wenig Zeit, sich aufs Rennrad zu schwingen. Ein Bike-Test für Procycling ist daher immer ein willkommener Anlass für den Kölner, einige Stunden in die Pedale zu treten. Dank der Flexibilität der Leute von Storck bekam Marcel kurzfristig eines der begehrten �10th Anniversary�-Bikes und hatte endlich mal wieder eine gute Ausrede für eine schöne Runde. Da ich fast nie zu Hause bin, lieferte der Paketservice das Storck-Traumrad in Weiß kurzerhand bei meiner Nachbarin ab. Als ich spätabends nach Hause kam und den Karton abholte, bekam ich erst mal einen Riesenschreck � die Pappkiste wog so wenig, dass ich für einen Moment dachte, sie sei leer. Umso überraschter war ich, als ich feststellte, dass Markus Storck das Jubiläumsrad mit der alten Dura-Ace �gespect� hatte, die ja um einiges schwerer ist als die aktuelle Version. Angesichts der tollen Details des Rahmens konnte ich das aber verschmerzen. Wirklich edel ist zum Beispiel die Technik, den Herstellernamen aus dem weißen Lack am Unterrohr auszusparen, so dass er nun im Carbon-Look �auf� dem schwarzen Lack steht. So etwas ist mir bis dato an keinem meiner Testräder begegnet. Dann der Deckel auf dem Steuersatz � dieser zeigt ein Kettenrad und ist mit der �10th Anniversary�-Aufschrift versehen, passend zur Markenbezeichnung des Boliden. Der kommt mit seinen fetten Carbonrohren ziemlich kraftstrotzend daher. Dazu der weiße Lack, blau abgesetzt, und das nur klar lackierte Sitzrohr: eine echte Augenweide und vor allem endlich einmal etwas komplett anderes, was die Farbgebung bei Carbonrädern angeht. Besonders das bullige und supersteife Tretlager gefiel mir auf den ersten Blick, aber auch der Rest der Maschine ist ein wahrer Augenschmaus. Dazu mein Lieblingssattel, der �Arione� von Fizik, dem Farbschema des Rades angepasst, und ein schöner Carbonlenker mit einem ebenso edlen Vorbau � wenn das Ding auf der Straße hält, was es optisch verspricht, dann heißt das ja wohl Fahrspaß pur, dachte ich mir. Als dann einige Tage später zwei freie Stunden auf dem Terminkalender standen, ging es auf zur ersten Probefahrt. Die superleichten Carbon-Laufräder mit Tune-Naben waren mit einem 19 mm schmalen Conti versehen, der passenderweise den Namen Tempo trägt � genau das war es, was ich schnell aufnehmen wollte. Durch das geringe Gewicht von nur knapp über sechs Kilo ging das auch recht fix � allerdings bewahrheitete sich bei meinem Testrad die Regel, dass extrem leichte Laufräder nicht eben superstabil sind. Obwohl sie perfekt zentriert schienen, war bei einigen der Speichen die Spannung viel zu niedrig, weshalb die Räder ein softes Gefühl beim Fahren hinterließen. Nachdem ich probeweise einen anderen Satz Laufräder eingebaut hatte, verflüchtigte sich das aber sofort. �Mister Rahmen himself� war wirklich klasse � sehr stabil und trotz einer eher konventionellen Geometrie gut zu steuern. Ein Rad, das wendig ist ohne Nervosität zu versprühen und ein ausgewogenes Fahrgefühl vermittelt. Zwar sehr steif, aber nicht harsch und unkomfortabel, wobei Letzteres sicher auch an den leichten und zu locker eingespeichten Laufrädern meiner Test-Maschine lag. Die schmalen Contis vermittelten auf der Testrunde zwar guten Grip, wenn es um die Kurven ging, meine Wahl wären solch schmale Reifen jedoch eher nicht. Das etwas größere Volumen eines 22er Conti Competition hätte genauso gut zum Storck-Edelrenner gepasst � mit ähnlich geringem Rollwiderstand, aber merklich mehr Komfort. Beim Fahren auf meiner leicht welligen Hausstrecke stellte ich dann wieder einmal fest, dass man nicht wirklich alle Neuerungen des modernen Radsports mitmachen muss. Für Hobbysportler � ich gehe sogar so weit, ambitionierte Amateure mit einzubeziehen � reicht ein neunfach-Setup mit einem 12/23-Zahnkranz allemal. Wer im Hochgebirge Touren fahren will, muss vielleicht kleine Abstriche bei der Abstufung machen, aber die gute alte Dura-Ace, mit der ich als Profi unterwegs war, tut ihren Job auch heute noch wie erwartet: perfekt und leichtgängig. Nur was die Bremsen angeht, war ich nicht 100-prozentig zufrieden, was jedoch nichts mit der Qualität der Dura-Ace- Gruppe zu tun hat. Das kleine Defizit beim Verzögern ist ein anderes: Die Bremsklötze meiner Test-Maschine waren keine speziellen Carbon-Stopper, also war jede Negativbeschleunigung von fiesen Nebengeräuschen begleitet. Passabfahrten will man da gar nicht erst versuchen. Beim Beschleunigen wiederum macht sich das geringe Gewicht des Gesamtensembles sehr positiv bemerkbar. Jeder Antritt geriet zur Freude, auch meinen Slalomparcours durchpflügte der Storck ohne Ausfälle. Die �Stiletto� genannte Aero-Gabel verstärkt nicht nur den bulligen Look, sondern trägt durch ihre Steifigkeit auch dazu bei, dass sich das Rad perfekt manövrieren lässt. Auch die Lenker-Vorbau-Kombi von Storck sorgt dafür, dass es beim Antritt nicht zum Kraftverlust kommt. Das Steuergerät weist erfreulicherweise keine übertriebenen �Schau mal, was man mit Carbon alles machen kann�-Formen auf, sondern ist so designed, dass man damit ordentlich sprinten kann und auch beim Bergauffahren in allen Positionen einen sicheren und komfortablen Griff findet. Schön ist auch die formvollendete Führung der Bremszüge. So etwas auch vorne für Schaltzüge zu kreieren, wäre ein weiterer Schritt in Richtung ästhetischer Perfektion. Die �Powerarms�-Kurbeln sind ein Zeichen dafür, dass man bei Storck ziemlich kompromisslos dem eigenen Geschmack folgt, denn das Rad war nicht etwa ein extra für den Test zusammengebautes Exemplar, sondern das eines Storck- Mitarbeiters, der zufällig die gleichen Körpermaße hat wie ich. Dem gefällt wahrscheinlich die Optik der Kurbeln, die gut zum Gesamtbild der Rennmaschine passen, ich dagegen war von ihrer Funktionalität begeistert. Voilà � wieder eine Kombination, die alle Beteiligten zufrieden stellt. Als ich das Rad kurze Zeit später auf der Durchreise zu einem Termin schweren Herzens wieder in Bad Camberg ablieferte, schob mir der Storck-Chef kurzerhand ein weiteres seiner Edelgeräte für eine kurze Testfahrt unter den Hintern. Sofort kam mir mein Test-Scenario schwer vor � denn diese Maschine wog weniger als fünf Kilo, muss für einen Rennfahrer also ein illegaler Traum bleiben. Andererseits � für einen Ex-Profi wie mich � Eins ist sicher: Das Scenario 1.0 ist eine gigantische Rennmaschine. Wer sich nur zum Spaß ein so edles Teil leistet, der wird diesen Spaß auch haben. Wenn man Freude an leichtem und perfekt verarbeitetem Radmaterial hat, fährt man mit dem Storck sehr gut. Geschmackssache ist die Lackierung � ich persönlich fand sie erfrischend anders und perfekt passend zum kraftvollen Eindruck, den das Storck bei mir hinterließ. Wer keinen total neuen Renner bezahlen möchte, der kann mit noch vorhandenen Komponenten der �alten� Neunfach-Ära, die man vom eigenen Rad abbaut, und einem neuen Storck-Rahmen extrem viel Freude haben � beim Anschauen genauso wie auf der Straße



Marsel Wüst testet ein Storck Scenario CD1.0


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27.10.2005
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