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Rennvelo Test von 26 Zollräder

Wer kleiner als einssiebzig ist, bekommt kaum ein passendes Rad. Der Schlüssel zum großen Fahrspaß für kleine Leute sind Renner mit 26-Zoll-Laufrädern aber die sind selten. TOUR hat fünf Modelle aufgespürt. ´Ich versteh´ das nicht: Wenn ich irgendwo Rennen fahre, und da sind noch andere kleine Frauen, dann haben die immer diese völlig unproportionierten, zentnerschweren Stahlgestelle mit großen Laufrädern." Seit Friederike Gastl, 1,55 Meter klein, vor Dreijahren das Rad ihrer Träume gefunden hat, bedauert sie die Konkurrentinnen, die "keine Ahnung haben, wie gut sich Rennradfahren eigentlich anfühlen kann, wenn die Maschine wirklich passt". Unabdingbar fürs Hochgefühl auf niedrigen Rahmen: Kleine Laufräder. Viele Anbieter haben Rennmaschinen mit Rahmenhöhen unter 50 im Programm. Doch bei den meisten sind diese Rahmen einfach nur niedriger, ohne im gleichen Maße kürzer zu sein. Und dafür sind die Menschen nicht gebaut. Kleinere Menschen sind mehr oder weniger proportional kleiner als der Durchschnitt - sie haben nicht einfach kürzere Beine. Die Hersteller traditioneller Renner mit 28-Zoll-Rädern berücksichtigen das nicht ausreichend. Ein Beispiel aus dem Studium etlicher Geometrietabellen: Ein italienischer Hersteller verbaut im 60er Rahmen ein 58 Zentimeter langes Oberrohr. Der 48er Rahmen ist zwar zwölf Zentimeter niedriger, aber nur sechs Zentimeter kürzer. Das stimmt mit der Beobachtung überein, dass kleine Leute meistens zu lange Räder benutzen und trotz durchgestreckter Arme kaum an den Lenker reichen. FRAUEN HABEN KURZE ARME Unterhalb von 1,70 Meter Körpergröße sind in Mitteleuropa die Frauen in der Mehrzahl. Und denen sagt man gerne nach, dass sie im Verhältnis zur Körpergröße viel längere Beine als die Männer hätten. Ein vielleicht schmeichelhaftes, aber falsches Vorurteil. Das Textilforschungsinstitut Hohenstein hat 10.000 Männer und Frauen vermessen. Ergebnis: Im statistischen Mittel der Gruppen um 1,70 Meter und um 1,76 Meter waren die Frauenbeine jeweils höchstens einen Zentimeter länger als die der Männer. In diese Richtung weisen auch die Messergebnisse der holländischen Maßrad-Spezialisten von Bio Racer. Die Beinlängen-Unterschiede zwischen beiden Geschlechtern waren bei den 12.000 Bio Racer-Kunden noch geringer. Trotzdem brauchen Frauen im Schnitt nicht nur kleinere, sondern auch kürzere Rahmen als Männer. Nicht kurze Oberkörper und lange Beine - kurze Arme sind der Grund. Der Durchschnittsmann von 1,70 Metern hat drei Zentimeter längere Arme als die gleichgroße Frau, so die Ergebnisse aus Hohenstein. Selbst die Frauen von 1,84 Meter hatten nur einen Zentimeter längere Arme als die Einssiebzig-Männer! Das Problem der zu langen Rahmen in kleinen Größen trifft also die Frauen noch härter als die Männer. Zwei weitere Tendenzen verstärken dies: Die meisten Frauen können (aufgrund des Druckschmerzes auf den empfindlichen Teilen) nicht so flach und damit langgestreckt wie Männer sitzen. Zudem verwenden viele Fahrerinnen Männersättel, auf denen sie dann weit nach hinten rutschen, um den Druck der Sattelnase zu vermindern. Wenn ihnen dann noch rennradelnde Partner einreden, dass bei echten Sportlern der Sattel grundsätzlich ganz hinten in der Stütze klemmen muss, ist die Quälerei perfekt. MITTELMAß ALS NORM Sofern es die Rahmengeometrie betrifft, ist der Schuldige für die Misere schnell gefunden: 28-Zoll-Laufräder sind zu groß. Sie verhindern passende Rahmen für Kleine. Wie fast jedes Maß am Rad ist auch die Laufradgröße das Ergebnis einer langen Evolution, in der die Erfahrungen vieler Fahrergenerationen zusammenlaufen. Aber die waren, im Schnitt zumindest, nicht besonders klein. Die gesamte Lenkgeometrie hat sich um mittlere Rahmenhöhen entwickelt, die früher vielleicht bei 5 6 Zentimetern, heute eher bei 58 bis 60 Zentimetern liegen. Da passen die großen Laufräder wunderbar ins Konzept. Nicht so bei den kleinen Rahmen. Rahmen wachsen im Vorderbau. Ein kleiner Rahmen ist hinter dem Tretlager genauso lang wie ein großer, die Längenanpassung bei unterschiedlichen Rahmenhöhen erfolgt durch die Verlängerung von Ober- und Unterrohr. Kleine Rahmen mit großen Rädern haben daher etwas problematische Fahreigenschaften: Der Fahrer sitzt, relativ zum großen Rahmen, viel weiter vorne, es kommt mehr Last aufs Vorderrad. Ein zweiter Effekt verstärkt dies: Eine weit ausgezogene Sattelstütze, bei großen Menschen üblich, bringt das Gewicht nach hinten. Kleine Fahrer sitzen weiter unten und damit weiter vorne. Die zusätzliche Last auf dem Vorderrad macht die Lenkung träge. Zudem haben kleine Rahmen mit großen Rädern flache und damit träge Lenkwinkel. Das ist nötig, damit die Füße nicht bei jedem Lenkeinschlag mit dem Vorderrad kollidieren. Dazu kommen die steilen Sitzrohrwinkel kleiner 28-Zöller, die den Fahrer nach vorne befördern. Zwar sind bei kleinen Rädern auch die Vorbauten kurz -ein Detail, das zu Wendigkeit beiträgt - doch dies gleicht die anderen Faktoren nicht aus. Und so kommt es, dass sich kleine Rahmen mit großen Rädern nicht so ausgewogen steuern wie eine durchschnittliche Rennmaschine. In Verbindung mit kleinen Rädern erzielen ein steilerer Lenk- und ein flacherer Sitzwinkel die gewünschte Wendigkeit. KLEINER IST FEINER Normal große Laufräder und winzige Rahmen - ein krasses Missverhältnis. Auch optisch "Richtige" Proportionen, gemäß unserer Sehgewohnheiten, hat ein Rennrad mit 56 bis 60 Zentimetern Rahmenhöhe. Darunter dominieren die Laufräder, und die Silhouette erscheint lang und flach. Proportional verkleinert und damit fahrtechnisch und optisch so gut wie normal große Renner, können die kleinen Rahmen nur werden, wenn die Laufräder mit schrumpfen. 26 Zoll heißt auch deshalb die sinnvolle Radgröße unterhalb von etwa 52 Zentimetern Rahmenhöhe. Aber, wie so oft im Leben, regieren auch im Radsport selten Augenmaß und Vernunft. Kleine Radler fürchten den drohenden Spott ("Kinderrad") umso stärker, wenn zum niedrigen Rahmen auch noch kleine Räder kommen. Wie ungerecht: jetzt gäbe es mal Räder, die sich so fahren und die so aussehen wie ein normal großes Rennrad, und dann kommen irgendwelche Miesmacher und erklären von oben herab, sie seien das Maß aller Dinge. Ein Standpunkt, der sich spätestens nach dem Tour-Sieg des nicht gerade hünenhaften Marco Pantani kaum halten lässt. Bei seiner Größe -die Angaben schwanken zwischen 1,65 und 1,72 Meter- wäre ein 26-Zöller sicher auch angemessen. Doch der einzige, der außerhalb von Zeitfahrern solche kleinen Räder einsetzte, war Laurent Jalabert. Sein angeblich unter einem Kilo leichter Berg-Rahmen rollte auf kleinen Rädern. Kleinere Räder sind etwas seitensteifer und sie stehen im Ruf, sich besser beschleunigen zu lassen und der Luft weniger Widerstand zu bieten als die übliche Dimension. Die letzten beiden Punkte treffen nur im kaum wahrnehmbaren Bereich zu, doch zumindest schaden kleine Räder auch normal großen Fahrern nicht. Wenn sie dann noch der Psyche nutzen - umso besser. Dennoch war ihr Einsatz für Jalabert riskant: Nur sein Materialwagen hatte Räder dieser Dimension auf dem Dach! Ein ernsthaftes Handicap für Profis, das aber denjenigen, der zum Spaß fährt, kaum kümmern muss. TECHNISCNE GRENZEN Ein paar Einschränkungen erfährt die Freude über das harmonische Minirad auch für Nicht-Profis: Wer sich für ein kleines Rad mit kleinen Rädern entscheidet, tut sich in manchen Ausstattungsdetails schwerer. Kleine Felgen, kleine Reifen, kleine Ritzel - diese Teile gibt es nicht an jeder Ecke. Doch der Triathlon hat die 26-Zöller auch jenseits des Schülerklasse-Rennens etabliert und für ein gutes Materialangebot gesorgt. Fast alle hochwertigen Drahtreifen gibt es auch in der kleinen Größe. Nur bei den Felgen oder Aero- Radsätzen ist die Auswahl nicht ganz so groß wie in der üblichen Dimension. Vor ein paar Jahren stellten passende Übersetzungen noch ein Problem dar. Doch zu den wenigen, denen die Einführung des 11er Ritzels bei den aktuellen Neunfach-Gruppen wirklich nützt, gehören die Fahrer kleiner Räder. Nur mit diesem winzigen Zahnrad kommen die Besitzer von 26-Zöllern zu schnellen Bergabgängen, ohne teure Spezial-Kettenblätter kaufen zu müssen. 53 und 42 Zähne sind vorne Standardware und für Trainierte sinnvoll (39 Zähne vorne bringen, angesichts des kleinen Radumfangs, leichte Berggänge). Schließt hinten ein Ritzel mit zwölf Zähnen den Kranz ab, ist für die Freunde zügiger Abfahrten ein 55er Blatt vorne Pflicht. Auf diese Dinge sollten 26 Zoll-Kunden schon beim Kauf achten, da nachträglicher Tausch von Kettenblättern und Ritzelpaketen unnötige Kosten verursacht. Mit soviel Theorie indes mussten sich unsere Testfahrer und -fahrerinnen nicht herumschlagen. Vom reinen Fitnessfahrer bis zur Nebenerwerbs-Triathletin reichte das Spektrum, geeint durch das Problem schlecht passender Räder. Dass es Rennräder auch in "XS" gibt, wussten zwar alle, aber nur eine Testerin besitzt ein solches Spezialrad. Bisher. Denn das Kaufinteresse wuchs während des Tests beträchtlich. Durchgängiges Lob gab es für das sehr direkte Lenkverhalten und die steifen Rahmen, die vor allem im Wiegetritt gefielen. STÜTZKONSTRUKTION In keinem Fall stießen die Füße beim Lenken ans Vorderrad. Insofern erfüllten die Kompaktrenner alle Erwartungen, die an sie zu stellen waren. Doch dem einen oder der anderen kam die Sitzposition irgendwie suspekt vor. Zu Recht, wie sich bei zwei Modellen erwies: Die Rahmen von Cube und Cocoon sind mit einer Triathlongeometrie mit steilem Sitzwinkel gebaut. Kommt dann eine Sattelstütze ohne Versatz nach hinten zum Einsatz, tritt der Fahrer von weiter vorne als gewohnt. Doch bei so kleinen Rahmen löst meist eine andere Sattelstütze dieses Geometrieproblem: In kleinen Höhen schiebt eine Steigerung des Sitzwinkels um ein Grad den Sattel nur etwa einen Zentimeter vor. Mit Hilfe der geeigneten Stütze lässt sich die Auswahl an 26-Zöllern um den Triathlonsektor erweitern. Quintana Roo lieferte trotz normaler Renngeometrie eine rücksetzende Stütze mit. KLEIN, STEIF UND FLINK Nachdem die Testfahrer mittels Sattelstützen und Vorbauten die Räder passend gemacht hatten, zeigten sie sich schnell von der gewonnenen Wendigkeit und dem ausgewogenen Handling fast alle Testräder überzeugt. Und selbst bei Rahmen, deren Geometrie auch mit normal großen Laufrädern machbar gewesen wäre, gab es Anerkennung für den ästhetischen Gesamteindruck. Kleine Räder, großer Fahrspaß: Das Konzept, die Räder für kleine Leute proportional zu verkleinern, geht auf.

EINZELBEWERTUNG: STORCK SCENARIO Mehr geht kaum: Dieser Winzling ist so steif, dass ihn nichts aus der Spur bringt-und dabei nicht schwer. Deutlich leichter würde der Rahmen, hätte er nicht die vielschichtige "Atlanta"-Sonderlackierung, sondern den serienmäßigen, einfarbigen Pulverlack in Wunschfarbe. Und billiger zudem. 1650 Franken kostet der Rahmen unseres Testrades, weniger Farbe macht ihn 240 Franken billiger. Soviel zu Preis und Gewicht. Doch was mindestens ebenso wichtig ist, sind die Fahreigenschaften. Trotz des flachsten Lenkwinkels und des größten Nachlaufs im Test fühlt sich auch dieser 26-Zöller noch wendig an. Die geringeren Kreiselkräfte kleiner Räder und der eher kurze Radstand sorgen dafür. Verarbeitungs- und Lackqualität liegen auf dem gleichen, hohen Niveau wie bei den Schwestermodellen mit 28-Zoll-Rädern. Bei Storck ist, wie auch bei Principia, die kleinste Rahmenhöhe die einzige Mit 26-Zoll-Rädern. Schade, denn auch Menschen zwischen 1,63 und 1,70 Metern wüssten einen gut proportionierten Rahmen sicher zu schätzen.



Lady-Rennvelo 26


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