Zhangye 29. Juni2011
Als ich nach dieser ausserplanmässigen Pause in Zhangye mein Fahrrad für die Fortsetzung meiner Reise belud bemerkte ich meinen ersten Platten. Wieder nach 1800 km wie letztes Jahr. Um den geflickten Reifen richtig doll aufzupumpen hielt ich ein Taxi an und zeigte im das Rad mit der entsprechenden Geste,damit er mich zu einer Autogarage fährt. Er aber chauffierte mich zu einer mobilen Velostation die über keinen Luft Kompressor verfügen sondern lediglich eine Handpumpe älteren Jahrgangs die nicht unbedingt meiner Vorstellung entsprach. Ich versuchte dem Taxifahrer klarzumachen dass ich eine Autogarage brauche. Er aber wollte nicht begreifen was ich meine, so befahl ich im weiterzufahren bis ich dann einen Pneu Händler entdeckte. Ich betrat die moderne Pneu Station und traf die Besitzerfamilie beim gemeinsamen Essen. Wieder zeigte ich mein Rad erntete aber nur Kopfschütteln und die entsprechenden Zeichen dass mein Wunsch den Pneu aufzupumpen nicht möglich sei. Es brauchte eine üppige Portion Hartnäckigkeit meinerseits bis der Vater seinem Sohn das Zeichen gab meinen Pneu aufzupumpen. Der aber füllte den Pneu nur mit 1 Bar ich wollte aber mindestens 6 Bar. Er weigerte sich den Pneu mehr zu füllen aber wenigstens überliess er mir nach einer gewissen Weile den Pneu Füller. So konnte ich mein Rad selber aufpumpen, was dazu führte dass die Anwesenden ihr Essen null Komma plötzlich verliessen und in die andere Ecke der Werkstatt flüchteten. Mir war der Druck im Pneu aber immer noch zu niedrig so musste ich alle Register meiner Überredungskunst ziehen damit sie den Kompressor einschalteten. So konnte ich das Rad meinen Wünschen entsprechend aufpumpen. Ausser dem Vater verliessen aber alle anderen vorsichtshalber den Raum um dann nach einer gewissen Zeit wieder zurück zu kehren. Die Erleichterung war sicher gross als ich dankend und zufrieden den Schauplatz mit meinem gefährlichen Rad verliess. Für einmal hab ich die Chinesen eher geschockt oder verängstigt. Normalerweise bring ich sie eher zum lachen wenn sie mich beim unbeholfenen essen mit den Stäbchen beobachten.
In Zhangye verliess ich nun die 312 und nahm die 227 Richtung tibetisches Hochland.
Mit konstant 1% Steigung während 100 km waren die ersten 1000 Höhenmeter auf eine angenehme Art zu bewältigen. Am zweiten Tag erreichte ich dann den ersten Pass auf 3600 m.ü Mehr. Die Temperatur war mittlerweile um mehr als 20 Grad gesunken so montierte ich für die Abfahrt Handschuhe und Wollkappe. In einem Hochtal auf 3000 m ging es dem nächsten Pass entgegen. Hier erlebte ich wieder eine der unzähligen Überraschungen in China. Das Tal wurde von blühenden Rapsfeldern dominiert und das auf 3000 m Meereshöhe Rechts der Strasse kleine Felder im Wechsel mit Getreide und Kartoffeln. Links der Strasse Felder von 1000 Ha Raps in Monokultur. Mobile Imker säumen die Felder. Einige Bienenvölker in Kisten, ein Hund, zwei Hühner und ein Zelt ist ihr Standard. An – und Abreise erfolgt mit Sattelschlepper. Dessen Bekanntschaft machte ich kurz vor der Passhöhe des nächsten Passes. Dort kreuzte mich ein solcher Laster mit 200 Bienenvölker an Bord. Die meisten Bienen weilen in den Kisten einige Hundert bilden eine fliegende Aura um den LKW . Als Autofahrer heisst es da schleunigst die Fenster schliesen. Ich hingegen hatte keine solche Alternative daher beschloss ich unverzüglich die Luft und Velo anzuhalten mich kleinmachen und optimistisch zu bleiben. Das Glück stand mir bei und ich überstand den heiklen Moment unbeschadet. Vor dem nächsten Pass wurde meine Fahrt vom einsetzenden Regen unterbrochen. Das war nun das erste mal seit den Bergen in Georgien dass ich tagsüber mit richtigem Regen konfrontiert wurde. Ich hatte 3 Monate reisen ohne Regen hinter mir nun aber bricht eine neue Ära an da ich das trockene Zentralasien hinter mir habe.
So kam es dass ich schon um 16.00 Uhr in meinem Zelt lag und die vergangenen Tage durch meinen Kopf wandern liess. Als dann am Abend der Regen für eine kurze Zeit nachliess konnte ich mir schnell eine leckere Pilzsuppe mit chinesischen Nudeln zubereiten. Am anderen Morgen dauerte es eine Weile bis der Regen aufhörte und ich den Kampf gegen die Schwerkraft auf den unzähligen Serpentinen zur 3800 m hohen Passhöhe in Angriff nehmen konnte. Die Passhöhe wurde hier von einem 1.5 km langen Tunnel unterfahren. Wo ich beim durchqueren wieder einmal auf die Gunst meiner Schutz-engel hoffte. Für einmal war es beruhigend wenn ich den heranrollenden Laster hupen hörte und somit wusste dass er mich gesehen hat. Die Strapazen der Bergauffahrt waren aber auf der folgenden Abfahrt schnell vergessen. Leider hielt sich das Tempo in für mich eher langweiligen Grenzen, da die Unterstützung eines tollen Gefälle oder Rückenwindes fehlte.
Nach einer Weile stiess ich auf 4 chinesische Radler die hier in Ganshu eine Radtour unternehmen. Ich verabredete mich mit ihnen für den Abend in der nächsten grossen Ortschaft, da ich zuerst meine Zelt Utensilien an der nun herrschenden Sonne trocknen wollte. Kurz nachdem ich die Verfolgung der vier begonnen hatte schlingerte mein Hinterrad. Plattfuss Nr . 2 meldete sich an. Während ich den Schlauch reparierte bekam ich Besuch von einem weiteren chines. Radler namens Lung Li. Er kein Wort englisch - ich kein Wort chinesisch. Die Unterhaltung möge beginnen!! Nach erkennen der Aussichtslosen Situation beschloss Lung Li kurzerhand mir einen Kaffee zu kochen bevor er seine Reise fortsetzte. Ich meinerseits reparierte den Schlauch und füllte ihn mit meiner Handpumpe notdürftig. Auf der Weiterfahrt schaute ich mich nach einer Gelegenheit um mein Rad noch härter zu pumpen. Eine Werkstatt gabs in dieser Gegend nicht dafür eine robuste Handpumpe bei einem Kleinbauer. Durch diese Verzögerung konnte ich natürlich mein Vorhaben die anderen vier Chinesen einzuholen vergessen. Stattdessen traf ich eine Stunde später wieder auf Lung Li. Er stoppte mich bei einem Straßen Restaurant wo wir ein Nachtessen einnahmen. Mit Chinesen im selben Raum zu essen ist für mich immer noch gewöhnungsbedürftig. Das Tempo und die nicht unwesentlichen Geräusche erinnern mich an eine gewisse Tiergattung die wir zu meiner Jugendzeit auf unserem Hof hatten. Ich kann ihnen nicht böse sein, da ich weiss dass dies ein Teil ihrer Kultur ist. Trotzdem würde ich aber am liebsten meine Kopfhörer vom MP3 Player montieren um die diversen Geräusche zu übertönen.
Mit vollem Bauch setzten Lung Li und ich die Fahrt Richtung Xining fort. Interessant zu sehen war die Sattelform an seinem Bike. ( zu sehen unter Fotos )
2 km vor dem Stadtzentrum in Datong setzte dann wieder Regen ein so suchten wir Schutz unter einem Dachvorsprung um das Ende des Wolkenbruchs abzuwarten.
Der Regen wollte aber nicht mehr enden so benutzte ich die Gelegenheit als mir eine Frau mit ihrer Tochter anbot mich zu einem nahen Hotel zu führen. Ohne diese spontane Hilfe hätte ich das kleine Hotel nicht gefunden. Lung Li seinerseits hatte es sich unter dem Vordach auf seiner Matte gemütlich gemacht um das Ende des Regens abzuwarten damit er dann seine Reise nach Xining fortsetzen kann. Ich meinerseits begab mich am anderen Morgen frisch und ausgeruht auf die letzten 40 km von Datong nach Xining. Für einmal schaffte ich die Passage der Kontrollstelle an der Auffahrt zur Autobahn nicht eine aufmerksame Wärterin stoppte mich. Nach kurzem überlegen gab ich nach und kehrte auf die Landstrasse zurück. In Anbetracht der kurzen Strecke verzichtete ich auf das Ausschau halten nach einer Möglichkeit die Autobahn trotzdem zu erreichen.
Diese Entscheidung sollte ich aber schon bald bereuen. Die letzten 20 km vor Xining waren eine sehr unangenehme Erfahrung für mich. Viele Industrie Betriebe, riesige Kohle Kraftwerke, viele alte Fahrzeug die schwarzen Rauchgase ausstossen,als würden sie mit Rohöl betrieben und zu allerletzt noch eine gehörige Prise aufgewirbelten Strassenstaub. Das alles zusammen ohne einen erlösenden Seitenwind zu ertragen war schon deftig. Nach der Ruhe, den herrlichen Farben der tollen Landschaft, der frischen Luft im tibetischen Hochland traf mich dieser Zustand hier völlig unvorbereitet. Im Zentrum von Xining besserte sich der Zustand. So paradox das auch es tönt, dass die Luft inmitten einer Millionen Stadt besser sein soll, so füllte es sich wenigstens an. Zumindest die gröberen Schmutzpartikel sind hier nicht mehr vorhanden. Hier in Xining ist vorerst Endstation meiner Veloreise. Tatiana wird übermorgen mit Fahrrad in Hong Kong landen. Da die Kondition Tatianas noch nicht ganz für die Gebirgige Gegend hier ausgebaut ist werden wir ihrem Wunsch entsprechend im Süden von China rumkurven. Für einmal buche ich meinen Flug nach Hong Kong in einem Reisebüro um sicher zu gehen dass die Mitnahme des Fahrrades auch klappt. Die Angestellte spricht zwar kein Englisch aber mittels Übersetzungs Programm im Computer verständigen wir uns mehr schlecht als recht. So wie ich sie verstehe kann ich nicht in Hong Kong selber landen sondern in der Nachbarstadt Shenzhen. Das Velo sei kein Problem es koste 12 Yuan per Kilo. Mit dieser Auskunft bin mehr als zufrieden. Am nächsten Tag begebe ich mich sicherheitshalber 2 Stunden vor dem Flug zum Flughafen. Das war eine kluge Entscheidung denn diesmal erlebte ich das volle Programm bis ich in den Flieger einsteigen konnte. Dieser Ablauf ist wohl nur in China möglich. Ich benötigte mehr als 1 ½ Stunden um ans Gate zu gelangen. Beim Check-In wurden nicht 12 Yuan pro Kg Übergewicht verlangt sondern 80 Yuan. Nach längerer Diskussion machte ich dann den Vorschlag meine 2 grossen Velotaschen als Handgepäck in das Flugzeug zu nehmen. Mit dem war die Beamtin einverstanden und orderte die 2 Taschen zurück, die schon längst via Förderband entschwunden waren. Zu meinem erstaunen dauerte es nicht lange und meine Taschen wurden zurück gebracht. Bei der anschliessenden Sicherheitskontrolle hatte ich dann ein grösseres Problem. Die Tasche mit meinen Koch Utensilien gefiel den Kontrolleuren gar nicht. Ein fast unüberwindbares Problem war aber das kleine braune Medizinal Fläschchen mit meinen MMS Tropfen. Nach langem Hin und Her, sogar mit Beteuerungen meinerseits dass ich ohne diese Medizin sterben würde, entschied die Beamtin dass ich das Fläschchen mit der Koch Utensilien Tasche als Gepäck aufgeben müsse. So ging es wieder zurück zum Check-In Schalter wo ich meine Tasche erneut aufgab aber diesmal ohne Forderung für Übergepäckgebühr. Mit dem Bus ging es zum bereit stehenden Flieger wo ich mein Velo auf einem Gepäck-wagen erblickte. Ich wartete mit einsteigen um das verladen meines Velos zu beobachten. Als ich dann sah dass das verladen des Fahrrades durch einem Beamten gestoppt wurde macht ich mich bemerkbar und wurde prompt heran gewunken. Der Beamte wollte dass ich die Luft aus den Reifen lasse da sie sonst während des Fluges platzen würden. Ich wollte dies auf keinen Fall und versuchte zu erklären dass dies bei meinen Reifen nicht nötig sei. Da die besonders starken Felgen den Druckunterschied im Flieger ohne weiteres aushalten würden. Schlussendlich gab der Beamte das Fahrrad für den Verlad frei. Mit erhobener Brust und im Glauben ich hätte diesen Kampf zu meinen Gunsten entschieden bestieg ich den Flieger. Diesmal hab ich aber die Rechnung ohne die ungeheure Disziplin der Chinesen gemacht. Als ich mein Velo in Shenzen empfing staunte ich nicht schlecht die Pneus waren fast leer. So begann ein neues Spiel im selben Theater ich hatte die Aufgabe dem Taxifahrer klarzumachen dass er mich zu einem Pneu Shop mit Kompressor bringen soll. Dies gelang mir nicht es benötigte die Hilfe eines Flughafen Soldaten der freundlicherweise mit mir ins Taxi stieg und den Fahrer zu einem Veloladen lotste. Unvergesslich diese Situation: Für mich die Grimassen und das Lachen des Fahrers als er am Ende begriff was ich eigentlich von im wollte. Er seinerseits wird dieses Ereignis noch lange erzählen und viele Chinesen zum lachen bringen. So nebenbei bemerkt dies alles geschah kurz vor Mitternacht. Mit den vollgepumpten Pneus konnte ich mich nun auf die Hotel Suche machen. Die 30 Grad warme Nachtluft liessen mich ungefähr erahnen was mich am morgigen Tag erwartet.
Hong Kong 4. Juli 2011
Infolge drückend schwüler Hitze entschied ich mich die Einreise nach Hong Kong mit dem Bus zu starten. Ohne Probleme konnte ich am Flughafen ein Busticket kaufen das Fahrrad verladen und mitfahren. An der Endstation angekommen dauerte es eine Weile bis ich glauben konnte dass der Grenzübertritt in einem grossen Kaufhaus ähnlichem Gebäude von statten geht. Mit dem vollbepackten Velo ging es zwei Rolltreppen hoch zur Zollabfertigungshalle. Nach einer halben Stunde anstehen verlasse ich China und betrete Hong Kong. Am Automaten gelingt es mir sogar ein Zugticket zu lösen. Das betreten des Bahnsteiges wird mir aber verwehrt, das mitführen eines Fahrrades sei in Hong Kongs Zügen nicht erlaubt. Nach einer Weile erscheint eine englisch sprechende Beamtin und nimmt sich meiner an. Da es keine Strasse nach Hong Kong gibt und ich auf diese Zugsverbindung angewiesen bin tauscht die Beamtin mein Ticket in ein neues Ticket zur ersten Station in Hong Kong um und gibt mir den Differenzbetrag zurück. Durch die freundliche und lösungsorientierte Hilfeleistung gelingt mir die Einreise in einen in vielen Belangen speziellen Staat. Am nächsten Tag warte ich in der Ankunftshalle des International Flughafen auf das Eintreffen von Tatiana. Amüsant ist der Anblick als sie mit der Übergrossen Velo-schachtel erscheint. Der 12 stündige Flug von London hat seine Spuren hinterlassen einer ihrer ersten Sätze war : Nie.....meeehr ..... British Airway
Dank des Angestellten Rabatt von Tatiana logieren wir im 46.Stock des luxuriösen Hilton Hotel. Da ich meinen Laptop reparieren lassen muss harre ich eine Woche in dieser verrückten Stadt aus. Viel schreibe ich über diese Stadt nicht. Den Sinn oder Unsinn einer solchen Stadt kann und will ich nicht begreifen. Aber wie es den Anschein macht geniessen und leben hier viele Menschen ihr Dasein freiwillig.
Von Hong Kong fliegen wir auf die Insel Hainan. Sie ist nach Taiwan die zweit grösste Insel Chinas im südchinesischen Meer. Sie gilt als Hawai von Asien. Der Tourismus existiert und wächst in rasantem Stil weiter. Hier dominieren einmal nicht Bier und Weisswürste sondern die russischen Spezialitäten.
Wir unternehmen eine Velotour aber nach vier Tagen kehrten wir wieder zu unserem Hotel am Strand zurück. Zu diesem Entscheid bewog uns einerseits die tropische Hitze und andererseits Tatianas Angst beim übernachten in der Wildnis. So verbringen wir nun Strandurlaub. Tatiana wird am 1.August nach Hause reisen und ich nach Guilin fliegen um von dort nach Vietnam zu radeln.
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